Stages SB20 Smartbike im Test

Bevor Wahoo das Kickr Bike in den Markt brachte, hatten Smartbikes mehr das Image eines Ergometers. Das Stages Bikes SB20 ist in der Welt der Rennrad-Smartbikes nach Tracx und Wahoo eher ein Nachzügler, was aber keinen Nachteil bringt. Stages kann mit viel Erfahrung bei Indoor-Trainern punkten.

Gleich zum Stages Smartbike SB20 Testbericht

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Stages Smartbike Test SB20

Das Kickr Bike war für den Indoorsport genaus eine Initialzündung wie das iPhone für die Smartphones. Endlich gab es ein Smartes Bike, dass gut aussah und auch Rennradfeeling mitgebracht hat. 2019 gehörten Smarte Trainer zwar schon lange in die Paincave der Sportler, Smartbikes waren aber aufgrund ihres Aussehens und Preis die Ausnahme. Das Tracx glicht mit den kleinen Propellerchen einem Raumschiffmodell aus den 70ern und war jetzt nicht unbedingt ein Prestigeobjekt im Wohnzimmer. Wattbike startete dagegen schon 2008 mit dem ersten Indoorbike. Der robuste Stahlrahmen machte es von Anfang an schwer, das Teil zu transportieren. Dazu sieht die Abdeckung des Schwungrad wie eine Tonne für Clownshows im Zirkus aus.

Stages Smartbike Meinung SB20

Stages kennt man dagegen von Leistungsmessern. Diese Erfahrung in die Entwicklung eines Smartbikes einfließen zu lassen, war eine große Stärke. Es ist unübersehbar, dass das SB20 auf Basis der Bikes für die kommerzielle Nutzung in Fitness Studios entstanden ist. Stages bleibt seiner Linie treu und setzt die eigene Erfahrung sinnvoll ein. Watt werden zum Beispiel an den Kurbelarmen exakt gemessen und nicht, wie bei anderen errechnet.

Smartbike oder Smarttrainer? Hier liest du, was zu dir passt …

Stages Test

Wie fährt sich das Stages SB20 Smartbike

Das Stages SB20 kommt in einem großen Karton auf einer Palette, bei mir fast komplett fertig montiert und 62 Kilogramm schwer. Gut, dass es in unserem Radladen ankam. Anschließend sollte es rauf ins Dachgeschoss. Wer ein Peloton bestellt, bekommt den Montageservice gleich mit. Das wäre bei dem Stages Bike auch nicht verkehrt, zumal der Karton in Punkto Stabilität dem stabilen Bike schon mal nicht das Wasser reichen kann. Das 30 kg schwere Schwungrad rauszubauen sah wegen der exakten Justierung nicht nach einer guten Idee aus. So wurde alles was möglich ist abmontiert und zwei Spanngurte um die Schulter von zwei starken Männern haben das Bike zwei Etagen nach oben gebracht.

Stages SB20 Smartbike Test

Stages SB20 Wiegetritt Radladen Stages SB20 Wiegetritt Radladen Stages SB20 Wiegetritt Radladen Stages SB20 Aufbauen Das Zusammenbauen ist ein Kinderspiel. Die Teile sind, nennen wir es, pragmatisch gehalten. Mein persönlicher Favorit ist der mitgelieferte Tablethalter. Darunter ein Platz fürs Handy. Stages hat hier mitgedacht und zwei USB Stecker in den Vorbau eingebaut. Mir fallen sofort die Fans von Trainer Road ein. Die App bringt keine Umgebung mit und so kann am TV Tour de France laufen, während am Tablet die Leistungswerte und Interwalle zu sehen sind. Wer kein Tablet will, kann es auch weglassen. Ein Cover zum Abdecken des offenen Vorbaus liegt bei.

Stages SB20 USB Laden Stages SB20 Zwift Stages SB20 Tablethalterung Für die Pedale sind vier Kurbellängen möglich. Konstruktionsbedingt oder einfach nicht semioptimal durchdacht ist er Platz zwischen Kurbel und Verkleidung. Stages hat hierfür aber zumindest einen Inbus mitgeliefert, der eine sehr kurze Seite hat. Damit kann das Pedal dann doch relativ einfach montiert werden.

Das Stages Smartbike SB20 gibt dir Indoor echtes Rennradfeeling, funktioniert mit allen guten Trainingsapps, ist extrem stabil, unglaublich leise und zu einem sehr gutem Preis zu bekommen.

Wegen der Konstruktion sind die Flaschenhalter am nicht vorhandenen Unterrohr, sondern vorne am Lenker. Das ist zwar nicht stilecht, aber bequemer.

Strom kommt über den Stecker am hinteren Träger. Dieser ist mit einer Art Abdeckung. Das Stages hier nicht nur ein banales Kabel aus dem Metall hängen lässt, überrascht mich (positiv).

Das Stages SB20 ist optisch kein Designobjekt und erinnert eher an ein Studiobike oder Ergometer. Die Herkunft ist also unverkennbar, dafür ist es massiv und stabil. DC Rainmaker hat in seinem Bericht zum Stages SB20 lobend erwähnt, dass der Freiraum zwischen seinen Schenkeln und dem Smartbike breit genug ist. Beim Wahoo Kickr Bike und dem Tacx wäre das konstruktionsbedingt enger. Ich kannte das Problem bisher nicht, kann mir aber vorstellen, dass es bei Leuten mit sehr starken Oberschenkeln unbequem ist.

Smartbike TestSmartbike SB20 Test

Wattmessung am SB20

An beiden Kurbeln ist ein Leistungsmesser mit Batterie. Die ANT Nummer steht an der Pedalseite der Kurbel. Das brauchen wir später. Mit den beiden Powermetern ist die Rechts-Links-Verteilung messbar, was nicht üblich ist. Die Übermittlung der Wattzahl findet über den kleinen Computer im Stages Bike statt, der unter der Handyauflage sitzt. Maximal sind 2200 Watt bei 130 U/min angegeben. Mehr zur Wattmessung und Übertragung an die App liest du nachher (oder wenn du hier klickst).

App installieren und smart losfahren

Nicht so ganz. Erstmal stelle ich die Geometrie auf mich ein. Ich nehme die Werte von meinem Giant TCR 2020 und vom Bikefitting bei Laufanalyse als Referenz. Der Vorteil von Smartbikes gegenüber Smarttrainern ist eben, wenn mehrere Personen das Teil nutzen. Anstatt das Rad zu wechseln oder zwei Smarttrainer zu kaufen, wird in zwei Minuten die Sattel- und Lenkerposition am Smartbike getauscht.

Alles lässt sich beim Stages SB20 stufenlos und ohne Raster einstellen. Die Drehgriffe (nennt man das so?) sind gut greifbar und massiv. Hier wackelt erwartungsgemäß nichts. Das sind die Unterschiede zu billigen Smartbikes. Im Online-Benutzerhandbuch gibt es eine Hilfe für das Einstellen (https://manuals.stagescycling.com/de/stages-bike/handbuch/einrichtung/anpassungs-leitfaden/sattel-anpassung/)

Mit den Bremshebeln wird das Schwungrad gebremst. Ob das so zukünftig auch eine Funktion in den Apps haben wird, bezweifle ich. Es gab vor zwei Jahren Gerüchte, dass die Bremsen am Wahoo Kickr-Bike eine Funktion haben. Leider kann über den Bremsgriff nicht geschalten werden. Auf jeder Seite sind drei kleine Knöpfe. In der Stages App können die mit der Schaltsystematik von Shimano und Campagnolo belegt werden. Eine eigene Belegung ist aber auch möglich. Jay von Stages hat mir verraten, dass möglicherweise in Zukunft auch die Sram-Schaltung berücksichtigt ist. D.h. zwei Buttons gleichzeitig drücken um das Kettenblatt zu wechseln. Stages hat auch hier wieder weitergedacht. Die Schalteinheit lässt sich auf einen Zeitfahrlenker und Mountainbike/Fitnessbikelenker umbauen.

SB20 Test

Übertragung Leistungsdaten

An beiden Kurbelarmen sind Leistungsmesser. Logischerweise misst der rechte die Leistung des rechten Beins und der linke die des linken. Über die Stages App wird so die Verteilung angezeigt. Wenn ich hier eine markante Abweichung hätte, könnte ich so was dagegen tun.

Welcher Wert an Zwift & Co übertragen wird, ist ein wenig tricky. Der Linke Wattmesser empfängt nämlich die Leistung des rechten und gibt den kombinierten Wert via ANT+ an den Stages Computer. Der wiederum spricht mit der Trainingsapp. Beim Kalibrieren der Wattmesser ist es durchaus sinnvoll, die Schuhe abzumachen.

Stages geht auch darauf ein, wie ein Bein trainiert werden kann. So richtig ist das nicht machbar, weil ein Leistungsmesser dann keine Werte liefert und die Berechnung so nicht aufgeht. Um ein Bein zu trainieren, muss das andere sozusagen passiv mitlaufen.

Wahoo Kickr Bike oder Stages SB20

Stages Link App

Bevor es nun richtig losgeht stelle ich in der Stages-App noch meine Schaltung ein. Zuerst die Wahl Traumbetrieb oder reale Übersetzung. Im Traum kann vorne 1 und hinten in anpassbaren Schritten geschaltet werden. Richtig verstanden habe ich es nicht. Deshalb nehme ich klassisch oder besser gesagt realistisch vorne 50/34 und hinten 12-fach mit 10-36. Die Schaltknöpfe hab ich mir individuell wie Sram eingestellt.

Mit Zwift und dem Stages Smartbike SB20 trainieren

Um diesen Abschnitt nicht unnötig lang zu machen: Stages Bike an, App an, verbunden, trainieren. Das Stages SB20 Smartbike fährt natürlich mit allen gängigen Apps. Meine Favoriten Zwift und FullGaz funktionierten beim Test einwandfrei und haben sich sofort verbunden. Trainerroad, Rouvy, Kinoapp, Systm aka Sufferfest, RGT stehen selbstredend auch auf der Kompatibilitätsliste. Alles, was über ANT+ und Bluetooth gesteuert werden kann, läuft.

Welche Trainingsapp die beste für dich ist, erfährst du hier …

Jetzt wird mir bewusst, dass es am SB20 keine Ganganzeige gibt. Dies kann ich mir zwar über die Stages App am Handy zeigen lassen, hier läuft schon die Zwift Companion App, weil ich die Karte hier besser finde, als auf dem Bildschirm. Außerdem ist das Schreiben einfacher und als Groupride-Leader ist ein Buchstabensalat immer eine peinliche Nummer.

Die drei kleinen Knöpfe auf jeder Seite kennen wir ja. Zusätzlich sind noch jeweils zwei unter dem Lenkerband eingebaut. Beim Griff am Unterlenker kann damit auch geschalten werden. Nicht schlecht, wenn man im Zielsprint ist.

Vergleich Smartbike

Bei ERGgesteuerten Trainings kommt das Stages Bike nicht so exakt nach wie das Kickr-Bike. Während bei Wahoo der Widerstand relativ schnell angepasst wird, habe ich beim SB20 eine gefühlte Verzögerung von ein paar Sekunden und 10 Prozent rauf und runter. Stages argumentiert, dass die Wattzahl eben echt ist und nicht berechnet wird, wie bei anderen. Das kann man gelten lassen, befriedigt potentielle Kritiker aber nicht. Sehen wir es positiv, der Sportler wird beim SB20 gezwungen, Kontrolle über seine Wattwerte zu trainieren.

Abmessung/Gewicht 120cm Länge x 56cm Breite x 124cm Höhe, 62,5kg
Antrieb Gates® Carbon Drive™ Carbonfaserriemen
Material hochfester Stahl (Rahmen)
Schwungrad 23 kg
Konnektivität ANT+ und Bluetooth
Leistungsmessung Stages Power LR (beidseitiger Powermeter) +/- 1.5%
Virtuelle Max. Leistung Steigung 25%, Leistung2200 Watt bei 130 U/min
Q-Faktor 157mm
Ideale Körpergröße 1.47m bis 2.08m bis max 136 kg
Kurbellängen 165mm, 170mm, 172.5mm, 175mm

(stagescycling.eu)

Fazit

An der Konstruktion ist unverkennbar, dass Stages eine Basis nutzt um alle Indoor-Bike-Varianten aufzubauen. Damit ist das SB20 vielleicht nicht das chicste Smartbike, aber dem objektiven „Rennradgefühl“ tut das keinen Anbruch. Alle Apps verbinden sich wirklich problemlos. Die Stages Link Software ist funktional und reicht völlig aus, sie wird kein TrainingPeaks ersetzen, will sie aber vermutlich auch nicht.

Ein Topic, dass ich nicht mehr missen möchte, ist die Tablethalterung mit USB-Stecker zum Laden. Auf dem Wahoo Tischchen war das mit der Leiste bzw. dem Schlitz schon nicht schlecht, aber die Halterung am SB20 ist natürlich königsklasse. Was mir fehlt ist ein Bremshebel mit Schaltung. Das wären die letzten Prozentpunkte zum perfekten Gesamteindruck. Ich hoffe, dass Stages hier nachlegt und wenn, dann nicht so ein Playmobileteil wie Tacx es macht.

Hervorzuheben ist, dass am Stages Smartbike SB20 nichts, aber auch wirklich nichts wackelt. Der Vorbau und Sattel sind exakt stufenlos einstellbar. Nur ein Climb-Feature wird es wohl nicht geben, denn hier hätte der Motor das sehr schwere Schwungrad hochzuhieven. Das ist der Preis für die einzigartige Stabilität dieses Smartbikes.

Smartbike oder Smarttrainer? Bevor du dir irgendwas online bestellt, komm zu uns. Wir erklären dir die Unterschiede der Smarten Indoor Trainer, zeigen dir die Apps und unterstützen dich bei der Konfiguration
Test und technik

3 Kommentare

Max

Ich habe mir das Stages SB20 vor einem Jahr gekauft weil mir das Kickr zu teuer war. Das Smartbike ist echt gut und genau wie hier beschrieben. Da wackelt und klackert nichts. Die Lautstärke ist ok und Nachbarn haben sich bei mir noch nie beschwert. Einziger Nachteil ist das Gewicht. Da braucht man wirklich einen guten Freund. Alles in Allem auf jeden Fall 5 Sterne.

Frank

Könnt ihr einen Vergleichstest mit Wahoo KickrBike und andere Smartbikes machen?

Ilona

Toller Bericht, das Smartbike schaue ich mir im Herbst bei euch im Laden an. Bin mir nicht sicher, ob ein Smarttrainer oder ein Smartbike das richtige ist. Endlich sieht man auf der Homepage auch eure Angebote. Schade ist, dass die Bilder im Blog nicht auf auf der alten Homepage vergrößert werden können. Hoffe das kommt wieder.

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