Radfahren in Riva del Garda und der spektakuläre Radweg
Riva Del Garda im Norden vom Gardasee hat für Rennradfahrer und Mountainbiker einiges zu bieten. Für die, die nicht auf Landstraßen mit vielen Autos fahren und Tunnel sowieso meiden, bleibt leider nur ein Ausflugziel abseits vom See.

Teilstrecken sind bereits jetzt befahrbar. Besonders spektakulär ist die Strecke zwischen Riva und Limone. Der Radweg Garda by Bike soll am Ende 140 km lang sein, rund um den Gardasee führen und bis 2021 fertiggestellt werden. (gardasee.de)

Ums gleich vorweg zu nehmen, der einmalige Radweg, zu dem es unzählige Videos gibt, ist etwa 2 Kilometer lang und von Riva nur über eine Landstraße zu erreichen.

Ciclovia del Garda

In den vielen Rent-Bike-Shops in Riva gibt es eine große Auswahl an E-Bike. Ein Hardtail von Cannondale, Giant oder Liv mit E kostet zum Beispiel pro Tag 45 Euro. Natürlich stehen auch E-Urban, E-Fullíes und sogar E-Road-bikes den Preislisten. Die Akkus halten ca. 80 bis 100 Kilometer, Ersatzschlauch und Notfallnummer ist am Rahmen montiert. Nach einer kurzen Einweisung und der Routenempfehlung nach Acor geht's los.

Wir sind heute mit einem Gravel ohne Motor und einem E-MTB unterwegs

Ein paar Meter Straße und dann rechts runter zum See auf den Radweg, dann durch die Innenstadt, am Hafen entlang. Die tollen Fotos im Internet schüren Vorfreude auf den spektakulären Skywalk, dem Radweg von Riva nach Limone, der am Felsen über dem See hängt. Es dauert nicht lange und die Reise ist zu ende. Der Tunnel, der einmal das Verbindungsstück von Riva nach Limone eröffnet ist noch verbarrikadiert. So bleibt nur die Landstraße mit Tunneln um den neuen Radweg zu erreichen. Die Masse an Autos hängt während der Saison stark von der Tageszeit ab.

Die Straße rechts rum ist für Radfahrer verboten. Der 4 1/2 Kilometer lange Tunnel ist selbst selbst früh morgens nur eine vermeidlich gute Abkürzung zum Lago di Ledro und Tremlazo. In einem nicht belüfteten Tunnel mit dem Rad zu fahren, ist keine gute Idee.

Wie also weiter? Bergauf über den Schotterweg, mit ausgewaschenen Rillen, großen Steinen und teils losem Schotter? Das ist der Weg, der zum Ledrosee, Lago di Ledro, führt. Dieser See liegt auf etwa 600 Meter Höhe und war früher schwer erreichbar. Heute gibt es für Autos einen langen Tunnel zwischen Riva und dem Lago di Ledro und so ist der See mit den vielen kleinen Örtchen ein beliebter Ferienort geworden. Der erste Teil der Strecke ist leider inzwischen in schlechtem Zustand, was natürlich bei der stetig steigenden Zahl an E-Bikes nicht zu verhindern ist. Mich interessiert, wie viele Radfahrer sich auf beim hoch und vor allem beim runterfahren überschätzen.

(Foto bikemike.net)

Rauf hinter einem jungen Pärchen, aber nicht mein Tempo, also runter von der festen Spur und überholt. Während ich Fußgänger überholen hübschen zwei MTB links an mir vorbei. Von oben kommt eine Gruppe mit Gravels. An Offroad habe ich sowieso keinen Spaß, dazu noch nicht einschätzbare Menschen im mich herum. Insgesamt fühle ich mich unwohl und quäle mich bis nach dem Tunnel für ein Foto. Runterfahren ist je nach Tagszeit und damit der Menge an Radfahrern und Fußgängern nochmal spannend. Manche schieben ihr schweres E-MTB, andere genießen eine schnelle Abfahrt.


(Foto bikemike.net)

Im Osten nichts neues

Für uns geht's zurück nach Osten um zu sehen, wie weit Urlaubs-Radfahrer hier kommen. Es geht auf einem weitgehend Bike-Only Streifen am Seeufer entlang. Aufpassen, spazierende Fußganger sind hier trotzdem nicht ausgeschlossen. Ebenso ist natürlich der abrupt stoppende Radfahrer keine Seltenheit, überwiegend auf E-Bikes.

Nach einem großen Parkplatz hinter den Surfern ist der Radweg auch fast zu ende und zwingt die Radfahrer auf die Straße.

Ab hier nach Arco

Jetzt hat ja nicht jeder die Traute mit einem Rad durch einen Tunnel zu fahren. Glück für die, die aufmerksam waren und vor ein paar Minuten den Pfeil mit dem Fahrradsymbol nach Arco entdeckt haben.

Ab hier beginnt eine autofreie Strecke. Der Blick ruht während der gut 5 Kilometer unweigerlich auf dem Turm der Burgruine, die hoch über der Stadt auf den riesigen Felsen thront. Die Route schlängelt sich entlang des Fluss Sarca.

Natürlich sind die gleichen Radfahrer wie in Garda unterwegs und besonderes in Kurven ist Vorsicht geboten. Manche 90 Grad Kurve ist durch hohe Busche nicht einsehbar. Wenn ein Papa mit Kinderanhänger mitten auf dem Weg sein E-Bike dreht, wird es eng für entgegenkommende Radler. Gleiches gilt für unbedarfte Radfahrer, die aus einem Seitenweg einfahren. Statt vorausschauend ranzufahren wird vor der Einmündung stark gebremst, wobei das halbe Rad schon auf meiner Fahrbahn steht. Völlig überfordert von dem E-Antrieb bleibt eben keine Hirnkapazität mehr, um die gut sichtbare Bodenmarkierung und das rote Stoppschild zu registrieren.

Einige Rennräder sind hier unterwegs. Der teils raue Asphalt macht die Strecke aber für schmale Reifen wenig attraktiv. Auch wenn durch die Abwesenheit von Radsportler das Tempo der Mitradler gemächlich bleibt, ist es ratsam sich beim Überholen umzusehen. Gut motorisiertes Pedalec könnten hinter einem ebenfalls zum Überholmanöver ansetzt.

In Arco

An der ersten großen Kreuzung ist dann das Städtchen Arco erreicht. Kleine Cafés, einige Restaurants, für einen Espresso ist immer Zeit. Das Arco mehr als 17.000 Einwohner hat, ist kaum zu glauben. An den Läden in der Innenstadt ist erkennbar, dass der Fokus ab hier auf vertikalen Sportarten liegt.

Ein Espresso und zurück zum Radweg, denn der verläuft noch ein paar Kilometer weiter und ist empfehlenswert. Weniger Radfahrer, freier Blick auf die Berge, ein naturbelassenes Flussufer und Weinreben sind eine hervorragende Kulisse für eine schöne Radtour. Kurz vor Cerigi ist das Ende des Radweg. Die wenig befahrenen Landstraße ist aber kein Hindernis um nach Dro weiterzufahren.

Es geht ein ganz kleines bisschen hinauf und wieder runter, jedoch auch für nicht trainierte Radfahrer ohne Schmerzen schaffbar. Ein wirklich sehenswerter Ort ist Dro nicht, gegen 13 Uhr aber der richtige Zeitpunkt für eine Pizza. Wie überall in der Region Trento schließen die Restaurants gegen 14h.

 

Zurück nach Riva

Mit angenehmen Tempo ist der Radweg schnell wieder erreicht. In der Richtung zurück wirkt der Fluss, der zur nun rechten Seite direkt von der Felswand des Monto Colt eingerahmt wird, noch schöner. Felsen sorgen für einige Stromschnellen. Am linken Ufer sonnen sich junge Leute, Radfahrer legen eine Pause ein.

Arco lassen wir rechts liegen und folgen dem Radweg Richtung Riva bis zum Surferstrand. Hier ist wieder Rücksicht geboten, auch weil das eben kein ausgewiesene Radweg ist und es über große Steinplatten am Strand entlang geht.

Der Streifen ist ca zwei bis vier Meter breit. Neue E-Bikes mit breitem Lenker brauchen ihre Spur. Dass zwei Radler ihre Umgebung völlig ausblenden und nebeneinander fahren, ist keine Ausnahme. Da muss der Gegenverkehr schon Mal auf den Rasen ausweichen. Schlimm ist, dass die auch im Nachhinein ihren Fehler nicht registrieren und das Spiel sich tagtäglich unzählig oft wiederholt. Es ist auffällig, dass diese Chaoten immer Deutsch sprechen.

Autofahrer können ihre Ignoranz eben nicht mal ablegen, wenn sie selbst auf dem Fahrrad sitzen.

Irgendwie kommt man bis zum Radweg durch. Der ist nicht breit, jedoch für Radfahrer reserviert. Das schließt verirrte Fußgänger natürlich nicht aus und so gilt auch hier: Besser Augen nach vorne.

Wir bringen das geliehene E-Bike zurück. Nach dem obligatorischem Smalltalk über die Strecke, das Eis in Arco und dem Wetter, es hatte heute perfekte 26 Grad mit leichtem Wind, fahre ich mit meinem Rad zurück zu unserem Apartment.

Sechs groß gewachsene E-Biker vom Deutschen Radsportclub drängen wackelnd eine Oma vom Bürgersteig.

Vom Vorplatz des Radladens schaue ich nach links auf den Bürgersteig. Einige Meter entfernt ist ein Bushäuschen, versetzt Pflanzbuchten mit Bäumchen, Fußgänger. Aus einer Seitenstraße wackelt eine Gruppe E-Biker auf den Bürgersteig. Großgewachsene Männer auf E-MTB mit breitem Lenker. Schwer zu verstehen, dass diese gestandenen Männer sich durch die Menschen quälen müssen bzw. die Menschen auf dem Bürgersteig quälen müssen. In den Gesichter der vermeintlichen Radsportler zeichnet sich völlige Überforderung ab. Eine ältere Dame wird mehr oder weniger zur Seite geschoben. Leider habe ich keinen Dashcam, das Vereinstrikot hätte ich hier gerne gezeigt.

Zum Skywalk oder nicht?

Also: Die vielen eindrucksvollen Videos vom Skywalk sorgen für viel Vorfreude. Alle Arten von E-Bikes gibt es hier zu leihen. Ein paar Tage vor dem Biketrip zu einem der vielen Bike-Shops hingehen und buchen ist nicht verkehrt. Fahrräder gehören rund um den Gardasee genauso zu den Verkehrsteilnehmern wie Autos und Motorräder. Der Tourist, der auch Zuhause die Breite seines Autos nicht einschätzen kann, wird auch hier Radfahrer gefährlicher überholen. Durch die hohe Zahl an Radfahrern ist er aber mehr sensibilisiert, als in seinem eigenen Revier zuhause. Mit einem unguten Gefühl auf die Landstraße und mit Schweiß auf der Stirn durch ein paar Tunnel zu fahren, macht natürlich keinen Spaß. Wer sich die bisher fertigen zwei Kilometer Radweg trotzdem nicht entgehen lassen will, kann mit der Fähre von Riva nach Limone fahren. Das dauert je nach Tageszeit zwischen 35 und 50 Minuten (Tickets und Fahrzeiten).

Rennradstories

3 Kommentare

Lalala

Moin Wiegetritt. Danke, dass ihr euch so viel Mühe gebt. Ich finde die Berichte in diesem Blog sehr gut, weil sie nicht zu lang sind. Bitte weitermachen.

Garda Radfahrer

Wir sind Rentner und machen seit 20 Jahren fast jedes Jahr am Urlaub am Gardasee. In den letzten Jahren ist der Autoverkehr immer mehr geworden. Die vielen E-Bikes finden wir inzwischen für uns hilfreich. So sind Radfahrer in den Augen der Autofahrer keine störenden Ausnahmen mehr sondern gehören zum Straßenbild. Wir fühlen uns sicherer und seit wir E-Bikes fahren wir in dieser schönen Gegend sehr viel weiter

Jens

Danke für den Bericht. Wir wollten Ende Oktober auch in Riva Del Garda einen Ferienwohnung nehmen und mit e-Bikes auf diesen Radweg fahren.

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